Eine schöne Geschichte

Eine schöne Geschichte…

 

 

Die Geschichte über mein Buch ist so lang wie das Buch selber. Aber ich werde sie verkürzen.

Vor einigen Jahren, als ich noch ganz wenig Deutsch sprechen konnte, erzählte ich über mich nicht so gerne. Eine Frau interessierte sich sehr und stellte immer Fragen über mich und mein Land, die ich mehr oder weniger beantwortete. So gab mir Trudi Mainberger die Idee, meine Biografie zu schreiben. Ich schrieb in Französisch, da es eine von meinen zwei Muttersprachen ist, ein etwa 500 Seiten A4 Manuskript.

 

Und jetzt? Was machen mit so einem dicken Manuskript? Es in die Schublade einschliessen? Es blieb nicht zu lange drin. Eines Tages sagte mir mein Sohn Jonathan, er habe für mein Buch einen Verlag gefunden. „Mein Buch“. Das klang so schön. Die Hoffnung kam. „Herr Dörig spricht gut Französisch, sagte mir Jonathan.“ Meine Chance. Und er ist auch Schriftsteller, meine zweite Chance. Die Hoffnung wuchs.

 

Ich klopfte an die Türe des noah-verlags, gab das Manuskript in die Hände von Bruno Dörig.

„Ich werde es lesen.“ Sagte Bruno. In Deutsch. „Aber du musst wissen, dass wir ein kleiner Verlag sind und nur kleine Sache für das Dorf veröffentlichen. Es wäre schade, so eine grosse Arbeit nur im kleinen Kreise zu veröffentlichen.“

Ich verstand mehr oder wenig. Hörte das Wichtigste: Mein Manuskript wird gelesen. Es könnte ein guter Anfang sein. Ich war glücklich und gleichzeitig hatte ich Angst. „Ist das Manuskript etwa nicht gut oder gar sehr schlecht?“

 

Einige Tage später traf ich Bruno auf der Strasse. Er hatte mein Manuskript schon gelesen, das ganze. Die 500 Seiten in so wenigen Tagen? Ist das möglich, fragte ich mich? Von meinem ersten Manuskript, das ich zu einem Verlag schickte, hörte ich wieder etwas nach eineinhalb Jahren.

„Die Geschichte ist gut“, sagte Bruno. „Am Stil musst du noch arbeiten.“

Jawohl, verstanden. Die Hoffnung sank.

 

Heiri und Fina feierten ihre goldene Hochzeit nach dem Gottesdienst. Es war ein wunderschönes Fest. Bruno und ich stiessen an. Bruno sagte mir: „Eines Tages werden wir so ein Fest organisieren, du und ich.“ Die Hoffnung kam wieder. Singend ging ich nach Hause und schrieb den ganzen Tag. Und jeden Tag wieder. Tage und Nächte. Poesie, Romane, andere Geschichten…

Am 29. Januar 2002 organisierte Bruno das erste Fest für mich. „Soirée littéraire“. Die „Soirée littéraire“ war einfach wunderbar. Vor gute 40 Personen las Bruno ein Kapitel aus meinem Manuskript, den er in Deutsch übersetzt hatte.

Meine zwei ersten Interviews waren, ach, ich wage es nicht zu sagen. Ich schäme mich fast darüber. Aber Bruno war da. Und Frau Cadruvi aus Chur machte über mich eine wunderbare Sendung im Radio Rumantcha. Rolf Rechsteiner und Toni Dörig brachten im Volksfreund und der Appenzeller Zeitung tolle Artikel über mich und mein zukünftiges Buch, dass es einen Übersetzer brauche.

 

Mit der Hilfe von Bruno probierte ich drei Mal, einenVerlag zu finden, der auch die Übersetzung übernehmen könnte.

Das Manuskript ging immer wieder in die Schublade zurück.

 

Wenn ich Bruno traf, fragte er mich wieder, ob ich immer noch schreibe. „Du solltest nicht aufhören“, sagte er, „du musst immer schreiben. Du bist ein Talent“.

Ich war ein Talent. „Vielleicht bin ich wirklich fähig“, dachte ich, „dass so eine Person wie Bruno an mich glaubte“.

Bruno organisierte das Seminar für neue Schriftsteller und Verleger. Ich ging hin. Verstand noch sehr wenig, aber war glücklich da zu sein mit anderen, denen ich gleichen wollte. Ich war besonderes glücklich, dass Bruno mich in die Hände nahm. Und gleichzeitig mir Verantwortung überliess. Er war mein Mentor. Ich solle meine Schritte selber machen, meinte Bruno.  

Bruno ermutigte mich. Er komplimentierte mich. Sagte, ich sei „die grosse Coralie“. Gross war ich ja, 1, 70 Meter. Er war die erste Person in meinem Leben, die an mich glaubte. Ich war das nicht gewohnt. Es tat mir so gut.

An der Vernissage von „Das Tagebuch der Maya“ hörte ich das erste Mal die Worte, die ich seit meiner Kindheit erwartete. Bruno sagte, und zwar ans Publikum: „Coralie, wir sind stolz auf dich“. Das war das grösste Geschenk, das jemand für meinen literarischen Versuch machte. Es war einfach das erste mal, dass mir jemand die schönsten Worte ausser „Ich liebe dich“, sagte. 

 

Mein ältester Sohn Elhad las meine Gedichte und komponierte Musikstücke zu einigen. Yvonne Chopard trat denn in mein Leben. Sie übersetzte die Gedichte, Bruno lektorierte sie, und die erste Poesie-CD, in Deutsch wurde geboren. „Coralie“ heisst sie.

Ihr folgte ein Jahr später die zweite in Französisch:„Tout en poésie, tout en musique“ ihr Titel.

 

Bruno und seine Frau Vreni organisierten die Präsentation meiner CD. Dann folgte die Veröffentlichung von „Das Tagebuch der Maya“, ein kleiner Roman über Katzen, den ich in der Zwischenzeit schrieb.

Und Bruno las alles was ich schrieb. Und ich schrieb viel.

 

„L’Inconnue de l’Océan“, ist der französischen Titel meines neuesten Buches. „Das ist noch kein Buch, sondern ein Manuskript“, sagte Bruno immer, wenn ich es damals so nannte. Also gut. Mein zukünftiges Buch fand endlich eine Übersetzerin in der Person von Yvonne Chopard, die die grosse Arbeit in die Hände nahm. „Die Unbekannte vom Ozean“ wurde von Karl Hochreutener korrigiert und von Ihm bekam sie den neuen Titel: „Weit wie der Ozean“.   

Der VERLAG REINHOLD LIEBIG hatte bereits „Das Tagebuch der Maya“ veröffentlicht. Er veröffentlicht auch mein Hauptwerk.


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